Vorbemerkung – Wer hier spricht, und wie dieses Buch zu lesen ist

Ein Wort, bevor es beginnt. Nicht, um dich zu belehren, sondern damit du weißt, wessen Stimme du gerade hörst.

Dieses Buch hat mehr als eine Stimme, und das ist Absicht.

*Da ist ein Ich. Es gehört keinem Fachmann. Es gehört einem Menschen, der das Muster, um das es hier geht, von innen kennt – nicht aus Büchern, sondern aus dem eigenen Leben. Wo dieses Ich* spricht – in dieser Vorbemerkung, im Kapitel über den freien Willen, im Kapitel über den Frieden mit den Eltern –, erzählt kein Experte, sondern jemand, der denselben Weg geht wie du. Unvollständig. Mit Rückfällen. Ehrlich, so gut er es kann.

Da ist eine zweite Stimme, die eines Fachmanns. Das zweite Kapitel, „Die Meinung eines Fachmanns“, ist bewusst anders gehalten. Dort spricht ein Psychologe – als Gast, als Zeuge von außen. Diese Stimme sagt, was Fachwissen sagen kann, und auch, wo es an seine Grenze kommt. Sie ist absichtlich von meiner getrennt. Wenn sich der Ton dort ändert, ist das kein Bruch, sondern ein Wechsel des Sprechers.

*Da ist ein Du. In den Kapiteln über die zwölf Schritte rede ich dich direkt an. Nicht von oben herab. Dieses Du* bist du – und es ist auch ich, denn jeder Satz, den ich an dich richte, habe ich zuerst an mich selbst gerichtet.

Und da sind Geschichten. Markus und Julia. Sandra und Thomas. Nadia, Leon, Katharina, Elena, Sven. Am Ende ein Enkel namens Jakob, in der Form eines Gleichnisses erzählt. Diese Menschen gibt es nicht als einzelne Personen. Sie sind aus vielen Leben zusammengesetzt, erfunden, verdichtet. Und trotzdem wirst du dich in ihnen wiederfinden – nicht, weil sie du sind, sondern weil das Muster dasselbe ist.


Wie du dieses Buch liest

Es hat drei Teile.

Teil I – Das Muster. Hier geht es noch nicht ums Aufhören. Hier geht es ums Sehen. Was Bestätigungssucht ist, woher sie kommt, wie sie sich tarnt, und warum zwei Süchtige sich über einen ganzen Raum hinweg erkennen. Lies diesen Teil langsam. Er stellt keine Aufgaben. Er stellt Fragen.

Teil II – Die zwölf Schritte. Der eigentliche Weg. Ein Kapitel je Schritt, in der Reihenfolge, in der die Schritte gegangen werden – von der Machtlosigkeit (Schritt 1) bis zum Weitertragen (Schritt 12). Dazwischen, an der Stelle, wo er hingehört, ein Exkurs über den freien Willen. Der zwölfte Schritt entfaltet sich über drei Kapitel, weil er drei Gesichter hat: echte Verbindung, das Annehmen von Bestätigung ohne neue Abhängigkeit, und das Weitertragen. Diesen Teil musst du nicht in einem Zug lesen. Manche Schritte brauchen Wochen. Das ist kein Versagen. Das ist das Tempo dieser Arbeit.

Teil III – Weiterleben. Was möglich wird, wenn der Weg zu wirken beginnt: Frieden mit denen, die dich geprägt haben. Und ein Gleichnis, das sagt, wofür die Worte nicht reichen.


Du musst dich nicht „süchtig“ nennen, um hier richtig zu sein. Du musst keiner Gruppe angehören, kein Programm absolvieren, keine Diagnose haben. Du musst nur bereit sein, ehrlich hinzuschauen.

Wenn du das bist, fangen wir an.